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 Übersicht · Geschichte · Bargfeld 1195 - 1900 · Flurnamen von Bargfeld


Flurnamen von Bargfeld



von Dr. Axel Lohr

Die mannigfaltige Geschichte des Dorfes findet ihren treuesten Niederschlag in der Flurkarte. Teilungen und Zusammenlegungen der Höfe, Neugründungen, Wüstungen, Rodungen, Umlegungen, alles drücktdem Bilde der Flur seinen Stempel auf. Damit wird die Flurkarte zurvornehmsten und, soweit sie zuverlässig zu deuten ist, wichtigsten Urkunde der Dorfgeschichte (3: 267).

Bei der ersten Anlage der Dörfer wurden die Ackerstücke rechtwinklig in zwei Hauptrichtungen aufgeteilt, wobei die Nord-Süd-Achse vorrangig die größere Länge einnimmt. Die Breite der "Stücke", wie die riemenartigen Ackerstreifen genannt wurden, betrug 8 bis 16 m, in Einzelfällen schwankte die Breite zwischen 5 und 30 m (3: 268und 270).

Die Annahme, daß der Bezirk in alter Zeit ein riesiges Waldgebiet war, aus dem 'Stege' und die villa Jrekesbeke wie Oasen hervorragten, hat vieles für sich. So war Stegen bis zum Dreißigjährigen Krieg nachweislich ein Waldgut. Die ersten großen Kulturarbeiten bestanden in der Rodung von Wald und Umwandlung des Waldbodens in Acker- und Weideland. Das beweisen heute noch die Namen Bargfeld, Elmenhorst, Nienwohld, Hohenhorst, Pfingsthorst und Rade, alles Siedlungen, die usrprünglich aus dem Walde hervorgegangen sind. Der größte Teil dieser Rodungsarbeiten ist in der Zeit von der Mitte des 12. bis zum Ende des 13. Jahrhunderts (1150-1300) erfolgt. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Nachrichten (5: 120).

Die Flurnamen von Bargfeld-Stegen und ihre Bedeutung sind:

Aewerdiek      

Eberteich

Auf dem Grill  

Grill: (nd) = Haß, Zorn, Streit

Barkholtstücken

Birkenholz - Stück: (nd) = Anteil der einzelnen Hufe am Gemeindeland

Beek-Wiese

Bach-Wiese

Bensahl

Gras-Tümpel - Bent (nd) = Rasenschmiele, Pfeifen gras. Hervorragendes Material für Stall- und Dielenbesen, das im Sommer gerissen und anschließend an der Hausmauer in kleinen Bündeln (Garben) getrocknet wird - Saal: (nd) = mit stehendem Wasser angefüllte Vertiefung auf Koppeln und Weiden; Tümpel: Sumpfloch; oft auch als Viehtränke benutztes Loch

Boorn-Loog

Quell-Hain - Born: (nd) = Quelle, Quellgebiet, Brunnen - Loh: (nd); sehr alter Name mit vielseitiger Bedeutung: Waldlichtung; lichter Wald; freier Platz im oder am Walde; grüner Platz: ebene Fläche (Hinweis auf ehemaligen Baumbestand); auch sumpfiger, quelliger Ort

Bornhorst

Quellen-Gebüsch - Horst: (nd) allgemein: Gebüsch; verwandt mit: Hürde, Flechtwerk; mit Busch bestandene Hügel, die nicht gerodet wurden und der landwirt schaftlichen Bearbeitung Schwierigkeit bereiteten

Brookland

Bruchland

Brühbrook

Brook: (nd) = Bruch; sumpfiges, von einem Rinnsal durchzogenes Gehölz, Waldniederung

Buchenbusch

Busch, Gesträuch, niedriges Unterholz

Bullenwisch

Bullenwiese - Bulle = Stier; Land, das dem Bauern zugeteilt war, dem die Unterhaltung des Dorfbullen unterlag - Wisch (nd) = Wiese; allgemeines Wort für nutzbares, feuchtes Grasland, das usprünglich im wilden Zustand dalag, aber ertragreicher als "Sech" (Sieck: Riedgras) war

Eckern

Eicheln

Erdlanden

Erdiges Land?

Erdtrade

Trade: (nd) = treten; Weg, durch den das Vieh trat, wenn es ausgetrieben wurde

Glinnen

Glind, Glint: Lattenzaun, durch hölzerne Einzäunung abgegrenztes Gebiet

Gräberkate

Vom Teichgräber, der die Arbeiten am Mühlenteich, Binnenhorster Teich, Hüxterteich und Brookslandteich zu machen hatte, bewohnte Kate

Großenvierth

Vierth: siehe Viertbruch

Haageberge-Koppel

Eingehegte-Berg-Koppel

Hagederns Grand

Hagedorn-Kies; Grand (nd) = Kies, Grandweg

Hambargen

Waldberg

Hartloh

Hirschhain - mnd herth, hert, hart = Hirsch; Loh: siehe Boorn-Loog

Hartig-Sahl

Hart = Hirsch; Saal: (nd) = mit stehendem Wasser an gefüllte Vertiefung auf Koppeln und Weiden; Tümpel: Sumpfloch; oft auch als Viehtränke benutztes Loch

Hohlenrien

hohl; muldenförmig; für kleine Senken und Gelände einschnitte gebraucht Rihn, Rin: (nfr) = kleiner Wasserlauf, Rinne

Holtenteich

Holz-/Wald-Teich (heute: Binnenhorster Teich)

Hoppenhoff

(nd) = Hopfen; in der Zeit, als man weder Kaffee noch Tee kannte, war das Braunbier tägliches Getränk; daher der Hopfenanbau auch in Holstein (bis gegen 1850); auch als Frühgemüse wurde Hopfen gestobt gegessen

Hoppenhorst

Hopfen-Gebüsch

Hoppenteich-Camp

Hopfenteich-Feld

Hundebleek

Hundeblick

Im großen Rahn

Ran, Ren (nfr) = Balkensteg

Immen-Bude

Bienen-Stock

Kahlhorst-Koppel

Kohlen-Gebüsch

Köppelbarg

alte Richtstätte, wo am 13. Dezember 1780 die letzte Hinrichtung stattfand (Truerberg, Troenberg)

Koppelwiese

mit Wall und Zaun eingefriedigte Wiese

Kreihen-Ehken

Krähen-Eichen

Krögren

Krög (nd) = (entlegene) Ecke, Winkel, Ren (nfr) = Balkensteg

Lackwiese

Grenzwiese; Laak = Grenzstein, Grenzzeichen

Lemcken Hau

Verpachteter (verhäuerter) Lembken-Hof

Lemkenteich

Teich beim Lembken-Hof (heute: Mühlenteich)

Lombardei

nach dem italienischen Komponisten Filippo Finazzi benannt, dem Bendix von Ahlefeldt eigens ein Haus in der Nähe Jersbeks erbaute, wo der Komponist später auch starb

Moorwiese

Sumpfige Wiese

Nachtkoppel

(nd) = eingehegtes Feld, auf das die Tiere während der Nacht getrieben wurden

Raa-Blick

Reh-Blick

Rastleben

Leben: Erbe, Hinterlassenschaft des Rado, Rade, ein Kurzname, der zu Vollnamen wie Radbald oder Radger zu unserem Worte Rat gehört

Rögen

kleine Anhöhe, Waldstück; auch: rot, rode = Rodung)

Röverbarg

Reuverbarg, Räuberberg (die Burgstelle bei Stegen)

Rotenmoor

abgegrabenes Moor

Schapwisch

Schafswiese, siehe Bullenwisch

Schierhorst

Grenz-Gebüsch

Rubtreff

Raubtreffen

Schwakensteert

Senken-Ende - swak(ka): (adän) = Vertiefung, Senke; Steert: (nd, nfr) = Schwanz, das äußerste Ende

Steensloh

Stein-Hain, Loh: siehe Boorn-Loog

Stegen

Verladeplatz, tho den Stege

Steuerlogen

Loge, Loh: siehe Hartloh

Stubben-Loog

Baumstumpf-/Stoppel-Hain - Loog: siehe Boorn-Loog

Szingel-Looge

Eingefriedeter Hain - Singel: Einfriedigung

Tegelkamp

Ziegelfeld (lat. campus = das Feld), hier wurden die großen Steine für die Burg zu Stegen gebrannt

Tonnenteich

1 Tonne großer Teich (Tonne = 0,5 ha)

Twiet-Loog

Weges-Hain - Twiet: schmaler Weg zwischen den Feldern; Loog: siehe Boorn-Loog

Viertbruch

mnd viride, virt = Heideflächen und Hölzungen; aus lat: viride = das Grüne; für nicht urbar gemachte Heidefläche an der Gemeindegrenze; das nicht einge friedigte Kommuneland - Bruch: sumpfiges, von einem Rinnsal durchzogenes Gehölz; Waldniederung

Voßkrog

Fuchsecke - Krog: (nd) = Ecke, Winkel; entlegene Ecke landwirtschaftlich genutzen Bodens, der meistens an Wald und Unland grenzt

Weddel-Wiesen

Furt-Wiesen; Wiesen zum durchwaten

Weden

Wed (nd) = mnd wede, alts. widu = Hölzung, (Grenz-) Wald

Weitere Flurnamen (insbesondere die Wiesen in Stegen) sind:

Alsterblickwiese, An der Alster, Auf den Höfen, Baeucken-Busch-Koppel, (große und kleine) Blick-Wiese, Börn Wiese, Bruch, Brüggenbrocks Wiesen, Buchenbusch, Chausseekoppel, Damwiese, Garnerborn (Gärtnerborn), Großenvierth, Hankenbrook, Hardebek, Heffelde, Heid, Hobenblickwiese, Kälberhof, Kalkhof, Knakenknüll, Kortebusch, Krauthof, Langenboer (Langenbregte), Müssen-Krog Wiese, Netteboer (Netteboegte), Ohle Mühlen, Ohle Plaele, Poggenteich, Schwalben-Schwantz, Sieffelder-Koppel, Sonntagswiese, Staffelde, Vogelberg, Weegen-Wiesen, Westerfelds-Koppel, Wiesen-Hoff, Zellenbruch, Zellenwiesen,Zwie-Graben.

 

Abkürzungen

alts = altsächsich

adän = altdänisch

lat = lateinisch

mnd = mittelniederdeutsch

nd = niederdeutsch

nfr = nordfriesisch

Quelle:

Apel, Gustav      

Die Ortsnamen im Alstergebiet, in: Jahrbuch des Alstervereins, 1941, S. 16 - 34

Clausen, Otto

Flurnamen Schleswig-Holsteins. 2. Aufl., 1988

Davids, Curt

Chronik des alten Gutsbezirks Jersbek

Heitmann, Herrmann

Die Güter Jersbek und Stegen, 1954

Laur, Wolfgang

Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein, 2. Aufl., 1992